"...nur das Beste"

25 Jahre Singphoniker

 

demnächst bei cpo

 


Künstlerball bei Kroll


Ganz Berlin ist heut in Rage,
heut ist Künstlerball bei Kroll.
Und es gibt keine Etage,
wo nicht alles gänzlich toll.
Gern vergisst man alle Plage,
alles hat den Kopf heut voll,
denn es ist nich alle Tage
großer Künstlerball bei Kroll.


Schon am Morgen sagt Herr Lehmann -
allbekannt als guter Eh´mann -
seiner Gattin Wilhelmine:
"Frau heut ziehst Du an das Grüne
mit den Spitzen an den Rändern
und den himmelblauen Bändern.
Und das Töchterchen Emilie,
dieses Schosskind der Familie,
freut sich auch schon ganz beklommen,
dass se heute mitgenommen.


Und so wird im Haus gebügelt
und geplättet und gestriegelt.
Und die Bänder und die Rüschen
und die Hütchen mit den Plüschen.
Alles eh´der Tag geendet
wird gerichtet und gewendet.
Und der Frack, der altersschwache,
von Hern Lehmann, feine Sache!
Den zur Hochzeit er getragen!
mit dem grünen Sammetkragen!
Nur ein bisschen anzustrengen
um den Bauch hinein zu zwängen
und dann noch ein bisschen putzen
und das Haar ein wenig stutzen
Möcht´es heute mal probieren
ob´s noch geht mit dem Poussieren


Weil Herr Lehmann reich erfahren
in den allerbesten Jahren.
Schaut die Alte nur mal fort
zwickt er selbst noch hier und dort


Und Emilie denkt mit Bangen
und mit glühend heißen Wangen:
"Was wird heute sich begeben?
Werd ich wohl etwas erleben?"
Nimmt auch nach der Mutter Rat
heut´ sogar ein warmes Bad.
Und so geht man hoffnungsvoll
auf den Künstlerball zu Kroll.


Und da sitzen sie nun alle
auf dem schönen Künstlerballe
und Frau Lehmann sitzt mit Tanten
und mit sonstigen Verwandten
im Gespräch mit der Frau Linde
mit Frau Müller und Frau Stinde.


Seh´n se da die dicke Meier,
ach mit der ist´s nicht geheuer,
dies Gehabe, dies sich Geben
keiner weiß, wovon die leben.
Und der Fleischer sagte neulich:
"Diese Meiers sind abscheulich!"
Und der Bäcker will den Lumpen
absolut nun nichts mehr pumpen.
Wartet auf sein Geld geduldig.
auch die Miete sind se schuldig.


Ja und das Kleid!
Ich muss schon sagen,
nein, wie kann man sowas tragen?
Grün und weiß und drauf was Blaues,
wie´s Gefieder eines Pfaues!


Und der Schmuck!
So große Dinge!
Falsche Broschen, falsche Ringe!
Mit den Meiers, man soll schwören,
kann man wirklich nicht verkehren.
Dass wir uns was leisten können,
das wird die uns niemals gönnen.
Wird vor Neid nur immer gelber!
Stille! Psst! Da kommt se selber!


Liebste Freundin, ach Frau Meier,
auch heut auf der Künstlerfeier?
Möchten Sie sich nicht bequemen,
hier ein wenig Platz zu nehmen.
Stören wir?
Ach Gott, es wäre,
s ´ist uns wirklich eine Ehre
und die reizende Toilette,
wohl die neu´ste Mod´? Ich wette!


Seh´n se da die Schulze schweben,
keiner weiß, wovon die leben!
Seht Euch an das gelb Gesicht,
doch die Miete zahl´n se nicht.


Und inzwischen tanzt Emilie,
dieses Schoßkind der Familie,
mit dem hübschen, jungen Fritze.
und der macht so gute Witze.
Und er drückt sie inniglich,
so beim Tanzen fest an sich!
Und sie sagt: "Ach nee mein Bester!"
Und da drückt er sie noch fester.
und am Schluss, eh man´s geglaubt,
hat er ihr ´nen Kuss geraubt!
Na da wurd´ se aber bös´!
"Das ist wirklich skandalös
und das verbiet´ich, daß Sie´s wissen!"
Und da ließ sie sich noch zweimal küssen!

Und Herr Lehmann kneift vergnüglich,
amüsiert sich ganz vorzüglich
und die alten Tanten klatschen
mit Frau Lehmann da und tratschen
lustig fort bis morgen Früh!
Ach so herrlich war´s noch nie!


Ganz Berlin ist heut in Rage,
heut ist Künstlerball bei Kroll.
Und es gibt keine Etage,
wo nicht alles gänzlich toll.
Gern vergisst man alle Plage,
alles hat den Kopf heut voll,
denn es ist nich alle Tage
großer Künstlerball bei Kroll.



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